May 28, 2011
Peruanische Minenarbeiter können mich mal ... kontaktieren und mir Zeit und Geld zurückerstatten. Wenn das denn geht. Wegen diesen netten Herren habe ich ca. 10 Tage Reisezeit und eine Stange Geld verloren. Eigentlich war deren Aktion auch gar nicht direkt gegen uns gerichtet, aber wir hatten das Pech zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Was war passiert?
Geplant war nach La Paz die Grenze am Titicaca-See Richtung Peru zu passieren. Ich wollte dem Hochgebirgssee mit dem lustigen Namen noch einen Besuch abstatten und dann Bolivien verlassen. Cuzco und damit Machu Pichu auf peruanischer Seite wäre das nächste Ziel gewesen. Doch daraus wurde nichts.
Bei der Ankunft in La Paz hörten wir, dass peruanische Minenarbeiter die Grenze ihres Landes Richtung Bolivien abgeschottet hatten. Durch die Verhinderung von lukrativen Exporten wollten sie die Regierung unter Druck setzen, und gleichzeitig die Bevölkerung "motivieren", bei den bevorstehenden Wahlen doch in eine bestimmte Richtung zu votieren. Den genauen Hintergrund kannten wir nicht, daher war schwer zu sagen, wie berechtigt der Protest war. Jedoch hat er vielen Reisen erheblichen Aufwand beschert.
Mit der Ungewissheit ob sich die Spannung gleich wieder legt, oder ob das der Anfang eines langen Streiks bleiben würde, harten wir zunächst in der bolivianischen Hauptstadt aus. Ein Flug von La Paz nach Cuzco war aufgrund der Situation unbezahlbar geworden. Irgendwann erreichte uns dann die Nachricht, dass es möglich wäre die Grenze per Boot zu überqueren, statt auf dem gesperrten Landweg. Wir kauften sofort ein Ticket vor Ort.
Nach 5 Tagen La Paz machten wir uns schließlich auf in Richtung Copacabana, ein kleines Dörfchen am Titicaca-See. Doch das Dorf enttäuschte nicht nur gegenüber seinem Namensvetter in Rio de Janeiro. Die Boote fuhren seit dem Vortag nicht mehr. Zumindest nicht von Copacabana. Dann hieß es wir könnten noch von einem anderen Dörfchen vom See ablegen. Kurz bevor wir aufbrachen hieß es, die bolivianischen Grenzarbeiter sind mittlerweile so gelangweilt/frustiert/überdrüssig, dass sie ebenfalls die Grenze geschlossen haben. Das machte auch diese Option zu nichte. Denn ohne Ausreisestempel gibt es auch später keinen Einreisestempel. Ach Mensch!
Nervig
May 28, 2011
Wir erleben die Schattenseiten des Reisens in Südamerika. Ständig verweben sich Informationen mit Gerüchten und Falschaussagen. Nie kann man sicher sein, was nun stimmt. Und das Internet gibt auch nichts her. Noch eins drauf setzt dann das feuchte Grinsen, das wir erhalten, als wir unser Geld für das Bootsticket zurück wollen. Wir sollen doch bitte mit der Filiale in La Paz sprechen, hier in Copacabana sei man machtlos. Na toll.
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Unsere Gruppe gemeinsamer internationaler Leidgenossen beratschlagte. Was tun? Grenzen zwischen Peru und Bolivien geschlossen. Flug unbezahlbar. Weiter in Copacabana bleiben -Zeitverschwendung. Hmmm. Doch dann kam die zündende Idee.
Umweg über Chile. Da die peruanischen Minenarbeiter, die Grenze zu Chile noch nicht besetzt hatten, blieb da noch eine Chance. Es ging zurück nach La Paz, von dort aus nach Arica (Chile) von dort aus nach Tacna (Peru) und von dort aus nach Arequipa (Peru). Zeitaufwand mit allem drum und dran 4 Tage. Dazu Extrakosten für Transport und Unterkünfte. Eine Tortur einer Reise, dazu eigentlich ja unnötig, aber irgendwann war es dann doch vorbei.
Wir wollten es gar nicht so richtig glauben, als wir endlich peruanischen Boden unter den Füßen hatten. Geschafft! Am Abend gingen wir auf die Odyssee anstoßen. Zu uns gesellte sich noch ein zunächst durchaus sympatischer Peruaner, den wir auf einmal am liebsten aus der Bar gejagt hätten. Wir fragten ihn: "Was arbeitest du so? Was bist du?". Er hatte geantwortet: "Minenarbeiter". Er hatte das Pech, zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Wir erzählten ihm unsere Geschichte. Letztlich mussten wir dann doch alle lachen, wie doch so eine kleine Meinungsverschiedenheit so eine Kettenreaktion auslösen kann.

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