Jan 25, 2011
Mit dem Tauchschein in der Tasche hatte ich mein erstes von zwei Zielen für Mittelamerika abgehakt. Das zweite war, mich mal im Surfen auszuprobieren. Dafür suchte ich mir Bocas del Toro in Panama aus und begab mich wieder auf die Reise.
Während Nicole wieder zurück Richtung Guatemala und Mexiko wollte, zog es auch Maxim in den Süden. Wir fuhren zusammen. Die Sprachbarriere war weiterhin da, trotzdem klappte es. Es ist erstaunlich wieviel man durch Situation, Körpersprache und Blickkontakte kommunizieren kann.
Gemeinsam standen wir die Widrigkeiten der nicht so angenehmen Ecken Mittelamerikas durch: Abzockende Taxifahrer, die einen 5x um den Block fahren, die widerlichsten Toiletten dieser Reise (Unvorstellbar: Wer scheißt denn bitte an die Wand?) und ein kurzes Erdbeben in Nicaragua.
Wir wären wohl auch noch weiter zusammengereist, wären da nicht die Einwanderungpraktiken Costa Ricas dazwischen gekommen. Für mich war es kein Problem gewesen, die Grenze von Nicaragua nach Costa Rica zu passieren. Ohne Augenzucken bekam ich meinen Stempel. Maxim hingegen als russischer Staatsbürger wurde nicht hinein gelassen. Er hätte sich umständlich ein Visum inkl. Begründungsgespräch in der Botschaft (die nächste war 10 Stunden entfernt in Managua) mit mehreren Wochen Wartezeit besorgen müssen. Wir mussten uns trennen.
Bizarr, welche Türen einem offen stehen (oder verschlossen bleiben), nur abhängig davon welchen Pass man besitzt. Wir Europäer sind da wohl am meisten zu beneiden. Wie vielleicht niemand anders genießen wir die Freiheit überall willkommen zu sein (wir bringen ja Geld) und in weit mehr als unserem Heimatland arbeiten zu dürfen (Danke Schengener Abkommen!).
Ich traf so viele Menschen, die von einem europäischen Pass träumen. "I got Schengen" - sagen die wenigen, die durch einen Elternteil oder manchmal sogar einen Großelternteil an einen europäischen Pass gelangt sind. Und die meisten, die keinen haben, träumen von Europa.
Von den Vereinigten Staaten träumen sie auch, aber mehr noch von Europa. Die verschiedenen Kulturen auf engsten Raum sind vielleicht das, was den Unterschied zu den Staaten ausmacht.
Für die Globalisierung wird freier Handel von Waren, Dienstleistungen und Kapital gefordert. Nur die Arbeitskraft, die ist nicht frei. Die Masse der Menschen darf nicht einfach so woanders arbeiten. Es scheint, dass unsere Löhne in Europa, durch die strengen Einreisebestimmungen geschützt sind. Ansonsten würden Menschen aus aller Welt kommen, für weit weniger arbeiten, und irgendwann wären die Löhne auf der Welt mehr oder weniger gleich. Doch diese Bestimmungen halten die Menschen arm. Ist unser Reichtum also deren Armut?

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