Vancouver, Canada

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Sep 02 - Sep 14, 2010

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Alaska war also vorbei und ich befand mich im Flieger nach Vancouver. Ich hätte mich auch gerne im Auto oder auf der Fähre in den Süden befunden, aber das war wahnwitzig teuer. Die Fähre kostete zum Beispiel allein $600 – mit 5 Tagen Fahrt. Das alles ohne Schlafkabine, die nochmal extra gekostet hätte. Und eine Fahrt per Auto hätte ganze 4 Tage gedauert.

Der Flieger flog dann komischerweise von 1 Uhr morgens bis 7 Uhr morgens, eine Zeit in der ich noch nie innerhalb einer oder weniger Zeitzonen geflogen bin. Umstieg war in Seattle, wo ich hundemüde morgens um 4 Uhr saß (Schlaflos in Seattle?! ...Ich weiß, aber der musste sein!). Kurzfristig war noch geplant eine sehr gute Freundin in Seattle zu besuchen, und spontan dort zu bleiben. Am Flughafen selbst stellte sich erst heraus, dass sie doch in Deutschland geblieben war. Ich hätte sie zwar sehr gern gesehen, aber ein besonderes Gespräch online machte das wieder wett.

Vancouver selbst habe ich dann als fantastische Stadt erlebt. Vom Stil her irgendwo zwischen der Power Amerikas und der Verspieltheit Europas, wirkte Vancouver wie eine richtig gelungene Großstadt. Zwar ist eine Stadt eine Stadt, doch irgendwie fand ich, dass sich hier viel Kreatives, Alternatives, und vor allem Herzliches mischen. Das ist schwer zu beschreiben, aber wer mal hier war, weiß was ich meine.

Wieder einmal hat sich mein Wunsch bestärkt, später in einer Stadt am Wasser zu leben.

Anders als in Alaska bin ich hier weniger zwischen den Sehenswürdigkeiten hin- und hergetingelt. Vielmehr habe ich den Flair der Stadt genossen, war in Parks und auf Partys, habe bei Freunden gewohnt, die allesamt Studenten waren und drastisch gemerkt, was Modebewusstsein ausmacht. Ja – Alaska und Vancouver trennen Welten.

Zu den besonderen Eindrücken zählen das Kennenlernen eines Iraners, der mit viel Aufwand hier in Kanada für 3 Jahre studieren darf und zwischen der Freude über eine neue, freie Welt und dem Schmerz nun für sehr lange Zeit von Freunden und Familie getrennt zu sein, hin- und hergerissen ist.

Eine andere Einsicht war die, dass ich ganz schön außer Form gekommen bin. Ich hatte mich entschieden auf Grouse Mountain, einem Berg direkt oberhalb Vancouvers mit versprechend schöner Landschaft, zu wandern. Zur Wahl standen Seilbahnfahren oder selbst laufen, mit dem Hinweis auf nicht ganz sooo leichte Steigung. Extrem k.o. und am Ende meiner Kräfte (gefühlt) erreichte ich irgendwann ein Schild. Darauf stand der verarschende Hinweis (gefühlt), dass inzwischen doch schon ein Viertel der Strecke geschafft seien. Doch das Schild hat nicht gelogen.

Vom Ehrgeiz getrieben erreichte ich letztlich doch die Spitze und wurde mit einem fantastischen Blick auf Vancouver belohnt. Seitdem habe ich mir täglich Frühsport verordnet. Nach inzwischen 6 Tagen habe ich das bereits schon einmal durchgezogen. Japp.

Hängen bleibt noch, dass Vancouver und Nord-West Kanada ein beliebtes Work-and-Travel-Ziel für viele Deutsche ist. Ich hatte gar nicht gewusst, dass man das hier überhaupt machen kann, aber ich traf Leute aus Stuttgart und Berlin, Ulm, Köln, Heidelberg, Göttingen, Dresden, Hamburg, Bremen, München und und und. Die gefühlte Hälfte der Hostels war mit Deutschen bevölkert.

Hängen bleiben leider auch noch die Preise. Vancouver war etwa ähnlich teuer wie Alaska, und es schmerzt jedes Mal, wenn man statt Brot und Scheibenkäse auch mal was anderes essen will. Besonders teuer war Alkohol. Das günstigste Bier im Liquor Store (hier wie in den Staaten trennt man Alkohol und den Rest lebensnotwendiger Nahrung) im Angebot und aus der Dose kostete umgerechnet €1,70 das Stück Amerikanisches Bierwasser (z.B. Coors Light, Budweiser) ging dann bei €2 los, trinkbare Biere (z.B. Beck's, Heineken, Stella Artois) lagen bei etwa €3.

Alles in allem habe ich Vancouver sehr genossen. Der Flair der Stadt, viel Wasser und Grün und tolle Künstlerviertel hatten ihren besonderen Charme. Irgendwie scheint es, dass viel Grün, alternative Lebensstile und ökologisches Bewusstsein immer dort auftauchen, wo die Leute glücklich sind. Oder umgekehrt. Wie auch immer, auf jeden Fall eine tolle Stadt. Ich würde gern mal in Vancouver wohnen. Doch so sehr mein Herz auch hier bleiben möchte, mein Portemonnaie zieht mich in den Süden.

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